Das Arbatel (3) – Aphorismen 4-7 und Analyse

Fortsetzung und Analyse:

 

Das vierte Siebtel der Aphorismen geht auf die höchsten Geheimnisse ein. Zuerst was ein Geheimnis sei (XXII.) und von welcher Natur es sei (XXIII.). Dann listet er die sieben höchsten Geheimnisse auf: Heilung durch Magie, Unsterblichkeit, Macht über die Elemente, Kontakt zu den Unsichtbaren, Selbsterkenntnis, Erkenntnis der Gottheit, Wiedergeboren zu werden wie Enoch. Die mittleren Geheimnisse seien: Transmutation der Metalle, Heilung durch Alchemie, Wunder durch die Sterne, natürliche Magie, Hellsicht, Kenntnis aller Künste, Kenntnis aller geistigen Kräfte. Die sieben geringeren Geheimnisse seien: Reichtum, Ehre, Heldentum, Sparsamkeit, Handelskunst, Philosophie, Theologie. Anschließend eröffnet Anonymus den Weg zum Geheimnis: Den Weg zu Gott zu suchen und auf seine Gnade zu vertrauen, sowie die Geister anzurufen (XXV.). Wobei die Geheimnisse auch durch das Mittel des Traumes erlangt werden können, oder auch durch Arbeit. Weiterhin distanziert sich der Autor deutlich von allen „Teufelszauberern“ (XXVI.). Anschließend beschreibt er eine Möglichkeit der Visualisierung der Geheimnisse (XXVII.). Dennoch ist natürlich alles ohne das Gebet zu Gott vergebens (XXVIII.).

Das fünfte Siebtel der Aphorismen kommt „[…] nachdem die allgemeinen Regeln und Vorschriften vorausgeschickt sind, an die besonderen Erklärung“.[1] Da alle Geister die Diener Gottes seien, solle sich jeder prüfen, wie es um seine Motivation bestellt sei (XXIX.). Auch Reichtum, Glanz, Ämter und Würden sind für den fleißigen Magier erreichbar (XXX.). Wenn man sich einen Engelfürsten untertänig mache, wird es geschehen, wie man befiehlt (XXXI.). So haben sich auch die Römer zu den Herren der Welt erhoben (XXXII.). Will man aber kein Amt erhalten, sondern nur Reichtum, so rufe man den Fürsten des Reichtums und spezifiziere genau in welcher Form der Reichtum einem zukommen soll (XXXIII.). Doch ist viel über die rechte Zitation der Geister in Vergessenheit geraten (XXXIV.). Da der menschliche Geist als einziger die Möglichkeit der Vollkommenheit in sich trage, lasse man sich von den Geistern nicht betrügen, als dass man ihr Diener werden, sondern vertraue immer auf die Gottheit, auf dass man in seinem Weg treu sei (XXXV.).[2]

Das sechste Siebentel der Aphorismen gibt einige Ratschläge zur magischen Praxis. So empfiehlt es sich, immer nur ein Ziel zur gleichen Zeit zu verfolgen und sich nicht zu verzetteln (XXXVI.). Weiterhin machen Ordnung, Weise und Maß die Künste des Sichtbaren und Unsichtbaren leicht, weshalb sie den Mächten des Lichts zuzuordnen seien (XXXVII.). Entsprechend sei die Magie in sieben Einteilungen zu ordnen: So z.B. in die Magie des Lichtes und in die Magie der Finsternis. Weiterhin in die Vollziehung der magischen Wirkungen mit sichtbaren oder mit unsichtbaren Instrumenten.[3] Auch kann man die Magie teilen in die Magie der Anrufung Gottes und der Anrufung der Geister. Dann die Magie mithilfe der Engel und mithilfe der bösen Geister. Weiterhin durch den Verkehr mit den Geistern von Angesicht zu Angesicht, im Gegensatz zu Traumdivination o.ä. Auch kann man entweder mit Intelligenzen oder mit den Wesen der Elemente arbeiten. Zuletzt, dass die beste Magie von Gott komme (XXXVIII.). Die sieben Erfordernisse, um die Magie zu erlernen sind: das Streben nach der Erkenntnis Gottes; das Streben nach Selbsterkenntnis; mit dem unsterblichen Seelenteil Gott zu dienen, mit dem sterblichen aber den Menschen. Weiterhin festzustellen, ob man zur Magie geboren sei; Achtsamkeit ob der Unterstützung durch die Geister; Treue und Verschwiegenheit; sowie Gerechtigkeit (XXXIX.). Die sieben Verhaltensregeln, wenn man ein unkörperliches Agens verspürt: nach der Vollkommenheit in der Magie zu streben; um ein reines Herz zu bitten; zu experimentieren; frei zu sein vom Aberglauben und Zauberei; Abgötterei zu vermeiden; den Teufel zu fliehen; die göttlichen Gaben in uns auszubilden (XL.). Ein Magier sei derjenige, dem aus göttlicher Gnade die geistigen Wesen dienen zur Erkenntnis der ganzen Welt, wohingegen ein Zauberer derjenige ist, dem aus göttlicher Zulassung die bösen Geister dienen, um die Menschen von Gott abzuwenden (XLI.). Nochmals betont der Autor, dass ein Magier zu diesem Werk geboren sein soll, auch wenn er nicht in Abrede ziehen will, dass auch durch Fleiß und Übung vieles in der Magie erreicht werden kann (XLII.).[4]

Das siebente Siebtel der Aphorismen gibt dem Magier einige letzte Ermahnungen auf den Weg. Man sei sich der Macht der Geister bewusst, und habe acht vor den Werken der satanischen Magier (XLIII.). Magier sein, heißt zu erwachen (da ich den nächsten Abschnitt für sehr wichtig halte, soll er an dieser Stelle komplett wiedergegeben werden – Anm. des Autors):

 

„Der Übergang von dem gemeinen Leben der Menschen zu einem magischen Leben ist nichts anderes, denn ein Übergang von einem schlafenden Leben zu einem wachenden. Was in dem gemeinen Leben dem Menschen unwissend und ohne Erkenntnis widerfährt, das widerfährt den Magiern mit ihrem Wissen und Willen. Ein Magier weiß es, wenn sein Geist von sich selbst denkt, ratschlagt, sinnt, beschließt und sich vornimmt, etwas zu tun. Er merkt es auch, wenn seine Gedanken, von einem ihm beistehenden geistigen Wesen her fließen, und er erforscht, aus welcher Ordnung dieses geistige Wesen sei. Aber ein Mensch, der in der Magie unerfahren ist, wird wie ein Tier von den Leidenschaften und Bewegungen des Gemüts hin und her getrieben, von seinen eigenen Gedanken sowohl, als auch von denen, die von Geistern seinem Gemüt eingegeben werden, und weiß nicht, wie er durch das Wort Gottes, die Anschläge der Feinde zunichtemachen und vor den Nachstellungen des Versuchers sich schützen soll.“ (XLIV.)

 

Man wäge genau ab, was man von den Geistern annehme und was nicht, und hüte sich vor der Gier (XLV.). Der Magier achte auf sein Gemüt, denn er zieht genau die Geister an, die seinem Charakter entsprechen (XLVI.). Wer also in seinem Berufe sich auszeichnet, dem helfen ebenso fleißige Geister bei seinen magischen Werken, wer aber nur zuhause sitzt, dem werde auch keine Geister Reichtum verschaffen, usw. (XLVII.). Eine jede Magie ist eine Offenbarung derjenigen Geister, von deren Art die Magie ist, die immer wieder in ihren Ursprung zurück kehrt (XLVIII.). Die Einleitung wird geschlossen mit einer Erinnerung an das Gesagte, um die Magie immer mit reinem Herzen anzugehen, denn je höher der Magier steigt, umso tiefer wird der Fall werden, so er seine Wacht aufgibt (XLIX.).

 

Analyse der Aphorismen

Die obige Zusammenfassung des Arbatel zeigt viele Parallelen zur heutigen okkulten Literatur. Vor allem die Autoren vieler Werke aus den 50er Jahren des 20. Jh. beziehen ähnliche Konzepte wie der Autor des Arbatel in ihre Werke mit ein. So finden sich z.B. über die Vorbereitung zur Evokation, sowie Umgang mit den Wesenheiten anderer Sphären gerade in Franz Bardons Werken Der Weg zum wahren Adepten und Die Praxis der magischen Evokation ähnliche oder gleiche Hinweise wie auch im Arbatel. Bardon betont u.a. die Stellung der Selbsterkenntnis als Voraussetzung zur evokativen Arbeit (vgl. XXXIX.), wie auch die gründliche Vorbereitung des Magiers durch die Meditation (vgl. X.). Ebenso den Nutzen der vier Elemente, die bei ihm die Basis der Einweihung darstellen (XI.). Insofern der Magier sich aber durch magisch-mystische Übungen, vielleicht analog zur „Betrachtung Gottes“ entsprechend vorbereitet hat, und die höheren Stufen erklimmen konnte, also sein Geburtsrecht als „wahrer Magier“ beweisen konnte (vgl. XLII.),[5] so soll er laut Bardon Macht über die Sphären und ihre Wesen gewinnen. Diese Vorbereitung und Einweihung grenze den Magier auch vom Zauberer ab, der zwar die gleichen Techniken durchführen kann, ohne sie jedoch in ihrer Tiefe verstanden zu haben, da sie nur der erwachte Magier vollkommen erfassen könne (vgl. XLI.). Dennoch empfiehlt Bardon auch weiterhin Achtsamkeit im Umgang mit den Wesenheiten, um nicht unwissentlich ihr Diener zu werden. Das Ziel sei neben dem Erwachen, die Vollkommenheit des Magiers, die sein menschliches Geburtsrecht ist (vgl. (XXXV.). Die magischen Fähigkeiten, die Bardon in Aussicht stellt, decken sich in großem Maße mit den „Geheimnissen“ aus dem Arbatel (vgl. XXV.). Es lassen sich sicherlich noch mehr Parallelen finden, doch ist schon jetzt deutlich geworden, dass Bardon in die gleiche hermetische Tradition eingeordnet werden muss, wie auch der Autor des Arbatel. Sehr wahrscheinlich hat Bardon das Werk ebenfalls gekannt und es in die Konstruktion seines Systems mit einbezogen.

Viele moderne (hermetische[6]) Magier wie Rawn Clark, Stephen Flowers, Jason Newcomb oder Emil Stejnar benutzen das Konzept des „Erwachens“, um einen wichtigen Punkt auf dem Entwicklungsweg des Magiers zu beschreiben.[7] Darunter wird zumeist eine klare Selbsterkenntnis verstanden, eine uneingeschränkte Bewusstheit um das eigene Wesen, die den meisten Menschen, die in ihrer Alltagswelt gefangen sind abgeht (vgl. XLIV. Siehe das „Motto“). Dieses Bewusstsein um die eigenen Stärken und Schwächen ermögliche das Entfalten des eigenen Potentials, wodurch sich die magischen Fähigkeiten erst manifestieren können. Ebenso gehört dazu die Hellsichtigkeit, um andere, unsichtbare Wesen zu spüren und mit ihnen umgehen zu können. So führt das erste Buch Bardons dahin. Auch das ganze Werk von Stejnar dreht sich um das Erwachen auf den astralen und mentalen Ebenen, und wie es hergestellt werden kann.[8] In der okkulten Literatur geht diese Erfahrung häufig parallel mit dem Kontakt zum eigenen „Heiligen Schutzengel“. Flowers ist sogar der Ansicht, dass „wahre Magie“ vor dem Erwachen bzw. der Kenntnis um den eigenen Schutzengel nicht möglich ist, sondern man nur mit den Ritualen anderer geringe Resultate erzielt.[9] Das stellt ihn in eine Linie mit Bardons Magier-Zauberer-Konzept. Auch ein „Schlafender“ (wie ich sie zur Einfachheit benennen möchte) könne zwar gewisse Resultate erzielen, wird aber irgendwann in goeteia stagnieren (vgl. XLII).[10] Flowers bezieht sich dabei auf antike Texte, die aber zur Inspiration des Arbatel auf dem einen oder anderen Weg gedient zu haben scheinen. Damit könnte man die Traditionslinie noch weiter ausarbeiten, was an dieser Stelle aus Platzgründen nicht möglich ist.

 

Alles in allem setzt sich das Arbatel m.E. deutlich von anderen zeitgenössischen Grimoirien des 16. Jh. ab. Die enge Verbindung zu vielen auch heute noch praktizierten Techniken, die man im Arbatel finden kann ist bemerkenswert, denn es finden sich sowohl Hinweise auf Selbsterkenntnis, Meditation und Mystik, wie auch auf Evokation, Thaumaturgie und Traumreisen in diesen wenigen Zeilen. Zum Teil nur angerissen und angedeutet, dem Kundigen aber klar ersichtlich. Ebenso die magischen Kräfte derer sich ein Magier bedienen kann und soll, sowie mögliche Erfolge finden sich so oder so ähnlich in den modernen Werken der Magie wieder. Ich würde es in seiner Importanz auf eine Stufe mit der Abramelin-Magie stellen, wenn auch weniger flamboyant.[11] Das Arbatel hat trotz seiner zeitgenössischen Auswüchse somit eine extrem enge Verbindung zum okkult-magischen Weltbild des 20. Jh., wodurch vielleicht auch seine Popularität in der Fraternitas Saturni begründet wurde. Inwieweit es praktisch in der FS bearbeitet wurde, lässt sich aber leider nicht mehr feststellen.

 

Nach dieser kurz gehaltenen Zusammenfassung und Analyse vom Inhalt des Buches Arbatel, sollen weitergehende Deutungen an dieser Stelle nicht unternommen werden, da der Schwerpunkt dieses Blogs nicht auf der philologisch-historischen Untersuchung liegt, sondern auf der praktischen Arbeit.

[1] Arbatel, XXIX.

[2] Sehr interessanter Abschnitt. Geht nahezu parallel zu: Franz Bardon, Die Praxis der magischen Evokation (2003), S. 119-123.

[3] Sind damit Magische Waffen oder andere Werkzeuge der Kunst gemeint?

[4] In Bezug auf diese beiden Abschnitte gibt wohl der Erfolg dem Magier recht: so er erfolgreich praktiziert, ist er wohl zur Magie geboren. Aber vielleicht spielt Anonymus hier auch auf das im nächsten Abschnitt behandelte „Erwachen“ an, um es von denjenigen abzuheben, die nur mit Techniken Erfolge zustande bringen!?

[5] Vgl. o. Anm. 24.

[6] Autoren, die klar einer anderen Tradition entstammen, wie z.B. dem Schamanismus oder Wicca, wurden von mir aufgrund mangelnder Vergleichbarkeit an dieser Stelle ausgeklammert. Ebenso das Werk Aleister Crowleys, der zwar deutlich hermetische Wurzeln hat, über den mir aber die Tiefe des Wissens fehlt, um ihn entsprechend zu bewerten.

[7] Das Konzept des „Erwachens“ ist sogar über die okkulten Lehren hinaus in die moderne Fantasykultur eingeflossen, am prominentesten in dem Rollenspiel „Magus: Die Erleuchtung“.

[8] V.a. Emil Stejnar, Die vier Elemente, Wien 2008.

[9] Stephen Flowers, Hermetic Magic – The Postmodern Magical Papyrus of Abaris, Boston 1995, S. 136.

[10] Flowers (1995), S. 101-103.

[11] Zur Abramelin-Magie besonders nützlich: Georg Dehn, Buch Abramelin, Worms 2001. Newcomb, J.A.; 21st Century Mage – Bring the Divine down to Earth, San Francisco 2002.

Das Arbatel (2) – Interpretation der Aphorismen 1-3

Der unbekannte Autor (im Folgenden Anonymus benannt) des Arbatel gibt an, dass es sich dabei um ein Werk handelt, welches in neun Teile á neunundvierzig „Aphorismen“ oder Sprüche unterteilt sei. Diese neun Teile sollten ebenfalls neun Gebiete der Magie abdecken:

 

  1. Eine Einleitung in die Magie;
  2. Die Magia Microcosmi, die Magie des Menschen;
  3. Die olympische Magie der Geister des Himmels;
  4. Die hesiodische oder homerische Magie;
  5. Die römische oder sybillinische Magie;
  6. Die pythagoreische Magie;
  7. Die Magie des Apollonios;
  8. Die hermetische oder ägyptische Magie;
  9. Die prophetische Magie.

 

Der darauf folgende Text nennt sich dementsprechend „Der erste Theil des Buches Arbatel, oder Einleitung in die Magie“. Er ist in sieben Siebtel der Aphorismen unterteilt, also insgesamt neunundvierzig Aphorismen. Damit würde das gesamte Werk nur den ersten Teil der angekündigten neun Teile enthalten, wie auch im obigen Lexikonartikel festgestellt wurde. Aber da jedes Siebtel der Aphorismen sich mit einem der in der Einleitung angekündigten Gebiete befasst, scheint es, dass Anonymus schon versucht hat, in den ersten neunundvierzig Aphorismen die wesentlichen Punkte seiner Lehre unterzubringen. Dies entspräche durchaus einer „Einleitung in die Magie“, doch verwundert es in diesem Falle durchaus, dass die Siegel der olympischen Geister schon in der vermeintlichen Einleitung des Werkes vorgestellt werden. Weiterhin endet die „Einleitung“ mit den Worten: „Hier endet das bis auf unsere Zeit überlieferte Buch Arbatel“. Es ist also fraglich, ob Anonymus tatsächlich vorhatte, noch weitere acht Teile zu verfassen, oder ob wir es hier mit dem ganzen Werk zu tun haben, welches dann in eine pompöse Tradition gestellt werden sollte. Dieses halte ich aufgrund der Inkonsistenzen im Aufbau des Buches für wahrscheinlicher.

Das ganze Werk ist in dem Zeit-typischen Stil des 16. Jh. verfasst, in welchem sich der Autor vergleichsweise devot unter die Herrschaft des christlichen Gottes stellt, um anschließend die absonderlichsten magischen Praktiken zu beschreiben. Ebenfalls empfiehlt er dem Leser regelmäßig, sich zuerst der Unterstützung Jesu Christi zu versichern, bevor man sich an die Anwendung der von ihm beschriebenen Techniken mache:

 

Das erste Siebtel der Aphorismen dreht sich um die inneren Qualitäten des Magiers, der verschwiegen zu sein habe (I.), fromm (II.), zurückgezogen und fleißig (III.), standhaft in der Tugend (IV.), treu in den göttlichen Geboten (V.), lernwillig (VI.) und bereit Gott anzurufen (VII.). Wie man sieht, sind v.a. verschiedene Ausprägungen der Gottesliebe und Frömmigkeit für den Magier entscheidend.

Das zweite Siebtel der Aphorismen geht noch tiefer auf die Notwendigkeit der Verbindung des Magiers zu Gott ein. Die Figuren (Siegel) und Namen der Macht haben demnach ihre Kraft aus der Kraft Gottes (VIII.). Die höchste Weisheit sei entsprechend in Gott und aus Gott heraus, so dass auch die Ordnung der Natur und der Geister von der Weisheit Gottes durchdrungen sei, wobei alles nur zum Nutzen der Menschen erschaffen sei (IX.). Die Meditation bestehe im täglichen Studium der Heiligen Schrift (X.). Grundlage aller Weisheit Gottes sei die Zahl Vier, in der sich seine Allmacht offenbare. Dennoch werde die Erkenntnis der Magie allein von Gott geschenkt, weshalb wir ihn um diese bitten müssen (XI.). Der Magier hat nun die Aufgabe, die ursprünglich von den Engeln den Menschen gelehrten und im Laufe der Zeit „verunreinigten“ Künste wieder zu reinigen, wie Hermes Trismegistos vor uns. Dies erreiche man am besten durch die Kommunikation mit den Engeln (XII.). Die Namen der Dinge, egal ob Mensch, Tier oder Geist geben dem Magier Macht über dieselben, weshalb es sein Bestreben sein sollte, diese Namen zu erfahren (XIII.).[1] Da die Seele unsterblich ist, sei es nötig zu Gott in der rechten Weise zu beten, weshalb Anonymos hier ein entsprechendes Gebet veröffentlicht, das dem Magier auf seinem Weg helfen sollte (XIV.).

Das dritte Siebtel der Aphorismen ist der Teil, in dem es um die sogenannten „Olympischen Geister“, ihre Siegel und Fähigkeiten geht und somit der für diese Arbeit entscheidende.[2] Dieser wird eingeleitet mit:

 

„XV. Olympische Geister heißen die, welche das Firmament und die Sterne des Firmaments bewohnen und die Geschicke zu bestimmen und auszuteilen haben, soweit es Gott gefällt und er es zulässt; denn es wird Keinem, der unter dem Schutz des höchsten wohnet, weder ein böser Geist oder ein böses Fatum schaden können. Ein jeder aber von den olympischen Geistern lehrt und vollbringt das, was sein Gestirn, dem er zugeordnet ist, anzeigt und bedeutet, wiewohl er ohne Erlaubnis Gottes nichts in Werk setzen kann.“

 

Die Absicht, die der Verfasser hier ausdrücken möchte, scheint relativ deutlich: Zwar kann man nicht gegen die höchste Gottheit handeln,[3] aber innerhalb dieser Grenzen gibt es keine mächtigeren Wesen als die olympischen Geister. Damit erhebt er den Anspruch, dass man mit Hilfe der von ihm benannten Wesenheiten jegliches Problem, dass einem Schicksal oder Feinde in den Weg legen, lösen kann. Ein nicht geringer Anspruch, wenn auch konform laufend mit den Aussagen anderer, zeitgenössischer Grimoirien. Im Folgenden nennt er die sieben Geister mit den Ihnen zugehörigen Provinzen und Machtbereichen, sowie die Zeit ihres Erscheinens (XVI.). Der nächste Abschnitt (XVII.) spezifiziert die Fähigkeiten und Siegel der einzelnen Geister, worauf ich im nächsten Kapitel genauer eingehen werde. Das Arbatel hebt sich an dieser Stelle von anderen Grimoirien ab, als dass es den „wahren und göttlichen Magier“[4] als, von Geburt an zu diesem Weg bestimmt definiert:

 

„Aus Mutterleibe wird der Mensch zur Magie geboren, der ein rechter Magier sein soll. Andere aber, die sich selbst in solches Amt dringen wollen, denen geht es unglücklich. Hierher gehört der Spruch Johannes des Täufers: Niemand mag ihm etwas nehmen, es sei ihm denn von oben gegeben.“[5]

 

Dier geht mit der immer wieder erwähnten Gnade Gottes einher, durch die alles bewegt werde. Ich vermute, dass der Autor sich in protestantischen Kreisen bewegte und das Gebot Luthers, dass nicht das eigene Tun (sprich der Ablass) die Erlösung bewirke, sondern nur die Gnade Gottes (sola gratia: „Allein durch Gnade“, ohne jedes eigene Zutun werde der Mensch von Gott gerechtfertigt). Die von uns als „devot“ wahrgenommene Haltung der Gottheit gegenüber wäre somit als magische „Parallele“ zur damals neuartigen protestantischen Ansicht zu verstehen, dass die Erlösung nicht erkauft werden könne. Ebenso kann magische Macht nicht erlangt werden, indem der Aspirant bestimmte Handlungen durchführt, die ihm dann das Ergebnis garantieren, im Sinne von: „Bete den Rosenkranz 200-mal und Du wirst erlöst sein“ bzw. „Rufe Aratron an, und du wirst Magier sein“. Sondern nur derjenige, dem es gewährt wird – sola gratia – kann Magier sein.[6] Dies nimmt die Magie aus mechanistischen Strukturen heraus und führt sie wieder ins Transzendente. Aber das nur am Rande.[7]

Anonymus warnt jedoch, dass sich die Namen der Geister auch verändern können (etwa alle 140 Jahre), weshalb die Siegel wichtiger seien als die Namen. Man solle in der Kunst vor allem mit den Siegeln arbeiten und dann von den Geistern die aktuelle Form des Namens erfragen (XVIII.).[8] Die Geister sind aber dem Menschen untertänig und müssen ihm dienen (XIX). Da demjenigen der glaubt alles möglich sei, soll der Magier ein frommer Mann sein (XX.). Die Arbeit mit den olympischen Geistern erfordere, dass man nur an solchen Tagen arbeite, die der Natur des Geist entsprechen.[9] Dazu gibt er eine Anrufung und eine Entlassungsformel (XXI.).

 

***

[1] Interessanterweise betont Anonymus immer wieder, so auch hier, wie wichtig es sei, im Beruf fleißig und emsig zu sein, will man etwas erreichen und in allen „nothdürftigen Sachen keinen Mangel haben“ (Sonderdruck, S. 9).

[2] Arbatel XV-XXI (S. 212-221).

[3] Unweigerlich fallen mir dabei Aussagen verschiedener Okkultisten des frühen 20. Jahrhunderts ein, dass man mit der Magie alles erreichen könne, solange es nicht gegen das Karma, die Göttliche Vorsehung, etc. verstoße. Die Parallelen sind bemerkenswert…

[4] Arbatel XVII, 3: „Ein wahrer und göttlicher Magier kann alle Creaturen Gottes, auch des Diensts der Geister (welche die ganze Welt regieren) nach seinem Willen sich bedienen. […] Den mittelmäßigen Magiern senden sie ihre Geister, die ihnen nur in gewissen Dingen gehorsam sind; die falschen und gottlosen Magier aber hören sie nicht, sondern übergeben sie den Teufeln […].“

[5] Arbatel XVII, 5.

[6] Diese Diskussion findet sich auch noch in der moderneren okkulten Literatur. Während z.B. Bardon den „wahren Magier“ eher als eine Form der ethischen Herangehensweise an den Okkultismus und Resultat eines bestimmten Trainings versteht nähert sich Gregorius hingegen in dem Aufsatz „Wege zur magischen Einweihung“ dem Arbatel an: „Niemand darf glauben, wie vielfach angenommen und auch von manchen Schulen gelehrt wird, dass man ein magischer Mensch durch Exerzitien, durch bestimmte Übungen werden kann, d. h. aus eigener Kraft, aus eigenem Willen! – Es ist im Gegenteil eine Angelegenheit der heute kaum noch verstandenen „Gnade“, die im persönlichen Schicksal beschlossen liegt, man glaube es, oder man glaube es nicht.“ (Gregor A. Gregorius, Wege zur magischen Einweihung, in: Gregor A. Gregorius, Magische Einweihung, Bürstadt 2007.) Diese Verschiebung magischer Reife in die göttliche Sphäre unterscheidet sich zwar stark von Gregorius ´ anderen Schriften, weist aber deutliche Parallelen zu den im Arbatel gegebenen Warnungen auf.

[7] Persönlich bin ich der Ansicht, dass das ununterbrochene Streben, das den Magier zu immer neuen Höhen führt und alle Herausforderungen überwinden lässt, ihn zu diesem Geburtsrecht legitimiert. Derjenige, der sich aller Hindernisse zum Trotz von seinem Weg nicht abbringen lässt, wird sein Ziel erreichen, und ist somit von Geburt an zu diesem Weg vorgesehen. Derjenige, der aus Neugierde oder Machtgier sich auf den Weg macht, wird sowieso wieder abfallen und war somit dafür nicht vorgesehen. Sprich, der Erfolg zeigt die „Menschen, die aus dem Mutterleibe zur Magie geboren sind.“

[8] Meiner Erfahrung nach sind diese Änderungen so minimal, dass sie zu vernachlässigen sind.

[9] An dieser Stelle habe ich andere Erfahrungen gemacht, wie man weiter unten sehen wird. Zwar erleichtert der dem Geist analoge Tag die Kontaktaufnahme, doch ist dies keine Voraussetzung für den erfolgreichen Kontakt; entsprechende Vorbereitung des Magiers immer vorausgesetzt.

Das Arbatel (1) – Forschungsstand

Mit einer neuen Reihe werde ich das oft diskutierte Zauberbuch „Arbatel“ untersuchen. In mehreren Teilen soll dabei Theorie und Praxis des Werkes eingegangen werden, um es dem interessierten Leser näher zu bringen. In diesem ersten Blog werde ich auf mit dem Forschungsstand beginnen. Viel Spaß!

 

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Grundsätzlich liegt uns das Arbatel nur in der Überlieferung der Werke des Agrippa von Nettesheim vor, nicht als einzeln herausgegebenes Werk.[1] Als Referenz verwendete ich die Schickowski-Ausgabe von Agrippa von Nettesheim De occulta philosophia, in der das Arbatel ebenfalls enthalten ist. Es findet sich in Buch IV der entsprechenden Ausgabe. Mit Agrippa selbst möchte ich mich an dieser Stelle nicht befassen, da keine direkte Verbindung von ihm zum Arbatel bekannt ist. Im Jahre 1855 wurden die beiden Werke von dem Herausgeber Johann Scheible in einer Ausgabe von fünf Bänden veröffentlicht: „Heinrich Cornelius Agrippa´s von Nettesheim Magische Werke: sammt den geheimnisvollen Schriften des Petrus von Abano, Pictorius von Villingen, Gerhard von Cremona, Abt Tritheim von Spanheim, dem Buche Arbatel, des sogenannten heil. Geist-Kunst und verschiedenen anderen; zum ersten Mal vollständig in´s Deutsche übersetzt; vollständig in fünf Theilen, mit einer Menge Abbildungen.“ (Stuttgart: Scheible 1855-56). Eine Einzelausgabe des Arbatel vor dieser Ausgabe ist mir nicht bekannt. Auch die Übersetzung ins Deutsche scheint auf Scheible zurückzugehen.[2] Die deutsche Übersetzung aus dem Agrippa ist mit der Übersetzung aus dem „Sonderdruck 2“ identisch.

Bevor ich zur Praxis übergehe, möchte ich mich aber noch ein wenig mit dem Forschungsstand zum Werk selber aufhalten. Das Handlexikon der magischen Künste schreibt zum Arbatel folgendes:

 

„Name eines Zauberbuches, welches zuerst im IV. Buch des Agrippa v. Nettesheim (1565) unter dem Titel „Arbatel de magia seu pneumatica veterum“ abgedruckt wurde. In einer späteren Ausgabe aus dem Jahre 1575 erscheint dieses Werk unter dem Titel „Arbatel. De magia veterum. Summum sapientiae studium“ und stellt eine Übergangsform von dem magischen Büchern der Renaissance zu den populären Zauberbüchern des 17. Jhs. dar.“[3]

 

Das Dictionary of Gnosis and Western Esoterics schreibt zum Arbatel im Artikel „Magic“:

 

„Among these additions to the De occulta philosophia is also sometimes found the Arbatel, de magia veterum (1st ed. 1575), a widely read, succinct exposition of angelic magic in the form of nine series of seven “aphorisms”, in which natural wisdom is presented as an image of the divine one, which is in turn equated with vera magia; it features quite an amount of general spiritual counseling, as well as interesting reflections about the natural abilities of the individual magus being dependent on predestination much more than on actual learning and practice of his art. Divine grace, allied to commendable ethics on the practitioner’s part, lead the heavenly (or elemental) creatures to reveal the contents, both visible and invisible, of the entire universe. Of course, to some extent such a “spiritualized” approach to magic represents an extreme case; in any case, it did not prevent this tract from being frequently lauded in later literature, even though its practical side is conspicuously restricted to a description of the characters of the seven “governors” or planetary angels.“

 

Eine weitere kurze Untersuchung zum Arbatel die ich finden konnte, stammt aus dem Onlinelexikon Wikipedia, welches den entsprechenden Artikel aus dem „Lexikon der Paranormologie“ nur leicht verändert übernimmt:

 

Arbatel de Magia Veterum ist der Name eines Zauberbuches, das um die Jahre 1550 bis 1560 entstanden sein soll. Der Verfasser dieses Buches ist unbekannt. Ursprünglich soll dieses Buch aus neun Teilen bestanden haben, wovon jedoch nur der erste Teil vorhanden und bekannt ist. Im Jahr 1565 wurde es erstmals unter dem Titel „Arbatel de magia seu pneumatica veterum“ gedruckt und herausgegeben im sogenannten vierten Band der Schriften des Agrippa von Nettesheim. Einer Sammlung von Schriften, die nicht von Agrippa selbst stammen, sondern die vom damaligen Verleger entweder aus wirtschaftlichen Gründen mit Agrippas Namen in Druck gegeben wurden oder tatsächlich aus dem bibliothekarischen Nachlass Agrippas waren (dann muss das Buch vor dem Jahr 1535 entstanden sein). Eine Ausgabe aus dem Jahr 1575 in Basel trug den Titel „Arbatel de magia veterum. Summum sapientiae studium“. Im Jahr 1655 wurde das Werk von Robert Turner ins Englische übersetzt. Der Buchhändler und Verleger Andreas Luppius gab im Jahr 1686 einen weiteren Druck des Buches heraus. Luppius’ Ausgabe enthält eine Reihe von Neuerungen. Dieser erste bekannte Teil des Arbatel besteht aus 49 Aphorismen und ist bzw. soll eine Einleitung in die Magie sein. Des Weiteren geht es um die Beschwörung und den Glauben an die sogenannten sieben Planetengeister. Jedem dieser Geister ist ein Name und spezielle Eigenschaften zugeordnet, was noch aus dem damaligen mittelalterlichen Aberglauben zu verstehen ist.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Arbatel, vom 22. März 2011, um 16:25)

 

Den bisherigen Untersuchungen nach sind Autor und genaue Entstehungszeit des Arbatel also unbekannt. Höchstwahrscheinlich ist das Werk auf das Ende des 16. Jh. zu datieren.

 

Nächste Woche werde ich die einzelnen Aphorismen genauer analysieren…

 

[1] Arbatel; Von der Magie der Alten oder Das höchste Studium der Weisheit, in: Agrippa von Nettesheim, Die Magischen Werke IV-VI, Berlin 1995, S. 203-246.

[2] Frenschkowski, M.; Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim und seine „okkulte Philosophie“ – Ein Vorwort, in: Frenschkowski, M. (Hg.); Agrippa von Nettesheim – Die Magischen Werke, Wiesbaden 2008, S. 40-41.

[3] Arbatel; Von der Magie der Alten oder Das höchste Studium der Weisheit (Sonderdruck 2 der VGL Fraternitas Saturni, 1970), S. 4.

Der Advent und die EinWEIHhung(s)NACHT

Advent. Ich schaue aus dem Fenster in die Dunkelheit draußen. Auf den Straßen sind Menschen unterwegs zu den letzten Besorgungen des Jahres, zum Teil auch auf Weihnachtsmärkten oder auf dem Weg zur Arbeit. Es ist dunkel, wobei die Kälte etwas fehlt. Ungewöhnlich für Deutschland im Dezember…

 

Der Advent bezeichnet in der christlichen Tradition die Zeit der Ankunft Christi (adventus (lat.) = Ankunft). Es ist die Zeit, in der sich die Menschen auf Weihnachten vorbereiten, die Feier zur Geburt des Gottessohnes. Es ist die Weihe-Nacht, die Nacht der Weihe, der Ein-weih-ung.

Hier in Mitteleuropa ist die Adventszeit die dunkelste Zeit des Jahres. Die Nächte werden länger und länger, die Menschen haben nur wenig Licht, um ihr Tagwerk zu begehen. Die Dunkelheit bestimmt das Leben der Menschen. Heute vielleicht weniger als früher. Aber selbst in unserer heutigen Zeit des elektrischen Lichtes, in der die Rhythmen der Jahreszeiten faktisch unbedeutend sind, geht der Blick der Menschen oftmals nach draußen in die Dunkelheit und man spürt, dass das Jahr sich dem Ende zuneigt. Wenn wir uns bewusst machen, wie die Menschen diese Zeit noch vor 150 Jahren erlebt haben müssen, dann vertieft sich der Eindruck noch, dass diese Zeit in der Tat bedeutungsschwanger für die Menschen war. Es ist eine Zeit der Einkehr, dieser Advent.

In der christlichen Tradition wird das schwindende Jahr durch die Ankunft des Lichts in Form des Christus um die Zeit der Wintersonnenwende neugeboren. Symbolisch erhält die sterbende Sonne die neue Kraft des Christus, um einen neuen Jahreszyklus einzuläuten. So kann auch in uns das Licht neugeboren werden.

 

Zur Zeit der römischen Republik wurden in diesen Tagen die Saturnalien gefeiert, das Fest des Gottes Saturn. In dieser Zeit waren die Sklaven frei und durften mit den Herren speisen und feiern. Es war ein Fest des Herrschers des goldenen Zeitalters, das Fest eines dunklen Gottes, der aber für die Freiheit stand, der die dunklen Momente des Alltags überwand, ignorierte und aus der Welt verbannte. Obwohl Saturn in der Astrologie oftmals als der große Übeltäter verstanden wurde, behielt er in der Hermetik die Rolle des Freiheitskämpfers – des Herrn des Goldenen Zeitalters. So steht Saturn in eingeweihten Kreisen auch heute noch für den Initiator, den Patron der Alchemisten und Hermetiker. Er ist derjenige, der zwar Hindernisse in den Weg legt, doch mit der Absicht, dem Schüler seine eigenen Themen und Blockaden vor die Augen zu führen, damit er sich davon befreien kann. Saturn ist in diesem Sinne der Gott der Freiheit, der Selbst-Befreiung.

 

Die Hermetik ist vom Grundgedanken her eine pan-sophische Lehre – alle Weisheitslehren umfassend. In der Antike waren die Bestandteile vor allem der Neuplatonismus, die ägyptische Magie und Einweihung, sowie die neue christliche Lehre. Diese drei bildeten das Amalgam, aus dem die Geheimwissenschaft des Westens entstehen sollte In der Neuzeit folgten auch theosophische Lehren, östliche Philosophien, Yoga, etc. die allesamt Einfluss auf die hermetische Entwicklung nehmen. In Bardons Werk finden sich Einflüsse aus griechischer Philosophie, Yoga-Lehre, tibetischem Buddhismus, salomonischer Tradition, Alchemie, jüdischer Kabbalah usw. alles zusammengefasst in ein konzises System der Einweihungspraxis.

Die Hermetik als synkretistische Lehre gibt dem Schüler die Chance, die Einflüsse des Jahreskreises zu beachten, sie für seine Einweihung und Entwicklung zu nutzen. Und so ist besonders der Advent als Zeit der Einweihung eine Chance für den Praktiker. Denn während die Welt die Ankunft des Jesuskindes im Außen feiert, erschließt sich dem Magier die Möglichkeit das eigene Licht in sich neu zu finden, neu zu gebären. Der Advent gilt vielen als hektische Zeit, in der „noch mal schnell“ alles erledigt werden muss, was das Jahr über liegengeblieben ist. Die Gefahr ist groß, dass die eigene Praxis, die eigenen Erkenntnisse, der eigene Fortschritt den Alltäglichkeiten untergeordnet werden; dass vermeintliche Notwendigkeiten Überhand bekommen vor den Dingen die uns an sich wichtig sind oder sein sollten. Für den Magier kann sich an dieser Stelle die alte Weisheit: „durch die Dunkelheit zum Licht“ als Sinnspruch bewahrheiten.

Einweihung ist Wiedergeburt. Der Christus wird geboren. In der Sonnenwende wird die Sonne wiedergeboren. Aus der Dunkelheit zum Licht. Der Magier kann durch ein bewusstes Erleben dieser Zeit also hier ebenfalls eine Einweihung erleben, in der er wiedergeboren wird. Es mag nur eine kleine Einweihung sein, doch der Grad der Bewusstheit entscheidet um die Signifikanz, welcher die Jahreszyklen auf den Magier haben können.

 

Eine magische Übung im Sinne des „Erkenne Dich Selbst!“ ist es daher, die dunklen Tage des Advent zu nutzen, um sich die dunklen Stellen im eigenen Leben, in der eigenen Persönlichkeit zu vergegenwärtigen. Auch sich der Alltäglichkeiten bewusst zu werden, die uns auf dem Weg der Einweihung behindern. An Weihnachten am Heiligen Abend, in „der Nacht der Einweihung“ oder schon zuvor in der Nacht der Sonnenwende bietet sich dann die Chance das neue Licht zu begrüßen, die gesammelten Schwächen hinter sich zu lassen. Einen Schritt zu tun zur Erweckung des eigenen göttlichen Anteils. Die Bewusstheit der um ihre Existenz anzunehmen und sie dann ebenso bewusst anzunehmen und erste Schritte zu unternehmen, um sie zu transformieren. Es geht also um die eigene Bemächtigung durch Nutzung der natürlichen Kreisläufe des Jahres!

Das kann durch ein Ritual geschehen, ebenso wie durch einen Plan zur besseren Organisation des eigenen Lebens oder durch eine Meditation.

 

So wünsche ich euch eine Frohe Weih-nacht!

Einige Bemerkungen zu Reiki

Mein Beitrag über Wasserimprägnierung (http://hermeticscience.de/wasserimpraegnierung/) hat insbesondere auf Facebook eine Vielzahl von Kommentaren und Gesprächen hervorgerufen, die sich aber weniger auf das eigentliche Thema des Blogposts bezogen, sondern auf ein kleines Beispiel, dass ich dort gemacht habe: Reiki! Dabei wurden die unterschiedlichsten Meinungen kundgetan, und ich habe diverse Diskussionen geführt, die ich im Folgenden zusammenfassen möchte. Dabei wird meine Haltung zu Reiki etwas klarer werden…

 

Um es direkt klarzustellen: ich habe NICHTS gegen Reiki – im Gegenteil, ich habe viele Jahre mit Reiki gearbeitet und arbeite immer noch damit. Im Rahmen meiner Experimente, die sich sowohl auf Heilung bezogen als auch auf die Frage, was die Reiki-Energie noch alles vermag habe ich – zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Magiern und Reiki-Meistern – für mich eine Methode raus gearbeitet, die ich für noch effizienter halte und diese im vorigen Blog vorgestellt.

Der Knackpunkt liegt ja in der Annahme, dass die Reiki-Energie irgendwie „göttlich“ sei und damit schon das subjektiv „Gute“ für den Patienten bewirkt, man also per se keinerlei negative Handlungen damit vornehmen könne, eh alles Licht und Liebe sei, usw. usf.

Eine Einstellung also, welche die komplette Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg an das „Göttliche“ abgibt – natürlich sehr bequem, für eine weitergehende Arbeit m.E. aber nicht sonderlich weiterführend.

 

Daher habe ich bereits vor über 10 Jahren angefangen, diese hochspannende und sehr effiziente Technik experimentell zu überprüfen – seitdem arbeite ich intensiv mit Reiki-Energien und habe dabei für mich festgestellt, dass sie, genau wie die „konventionellen magischen Energien“ der Imagination und dem Willen des Magiers folgen. Vorneweg: es gibt für mich keine Unterschiede in der „Wertigkeit“ der verwendeten Energien. Sie wirken auf etwas anderen „Schwingungsebenen“. Wie Bardon (und viele Reiki-Lehrer auch) nehme ich an, dass es Körper, Seele und Geist gibt. Die Lebenskraft nach Bardon ist dem indischen Prana analog, d.h. sie „schwingt“ sehr niedrig und vitalisiert somit auf der körperlichen Ebene sehr stark. Der Praktiker kann leicht Zugang dazu gewinnen, indem er sie dunkelgolden visualisiert und versucht sie körperlich zu spüren. Die Reiki-Energie ist ihrem Anspruch nach „göttlich“ – das ist ein recht weitgefasster Begriff, dessen Deutung stark vom Glaubenssystem des Praktizierenden abhängt: ein Christ weist dem „Göttlichen“ nun einmal eine andere Bedeutung zu, als ein Shinto-Anhänger oder gar ein Buddhist. Daher erkläre ich es gerne in der Sprache der Kabbalah. In dieser Terminologie wäre Reiki dem ketherischen Licht analog, das gefiltert durch Tiphareth in die Manifestation dringt. D.h., dass Reiki „feinstofflicher“ wirkt als die Lebenskraft. Daher auch die Annahme, dass Reiki seinen Weg schon finden werde: Reiki durchdringt alle drei Ebenen und nicht nur das körperliche. Dennoch folgt auch Reiki dem menschlichen Bewusstsein, da ALLES Göttliche durch das Bewusstsein (Tiphareth) gehen muss, um in die Manifestation zu gelangen. Auch Reiki folgt der Visualisation des Magiers. Reiki verstärkt somit die Schöpfung auf allen Ebenen, Lebenskraft nur auf der körperlichen (und z.T. astralen) Ebene. Lebenskraft könnte man somit als „Teil von Reiki“ verstehen, auch wenn das nicht genau stimmt. Je nachdem, was der Magier also tun will, nutzt er die eine oder andere Möglichkeit…

Ich warne aber davor Reiki für „mächtiger“ oder „stärker“ zu halten als die Lebenskraft! Es wirkt nur anders: offene Wunden z.B. behandele ich eher mit Lebenskraft als mit Reiki; für chronische Krankheiten hingegen eher Reiki. Lebenskraft wirkt also eher vom grobstofflichen ins feinstoffliche, bei Reiki ist es umgekehrt. Für Lebenskraft gilt die Weisheit „In einem gesunden Körper ein gesunder Geist!“ Für Reiki wäre eher „Ein gesunder Geist macht einen gesunden Körper!“ passend.

Auch magische Manifestationen funktionieren besser mit der Lebenskraft. In einem zukünftigen Blog werde ich auch eine magische Methode der Manifestation vorstellen…

 

Reiki-Symbole sind analog zu den Techniken zu verstehen, die von Bardon in der Körperschulung der Stufe 4 beschrieben werden: Rituale. Die Symbole verbinden den erfahrenen Praktiker mit gewissen Kraftströmen, die seine Arbeit effizienter werden lassen. Ein erfahrener Reiki-Anwender „braucht“ die Symbole nicht. Sie helfen ihm nur. Sie erleichtern die Arbeit! Daher ist es so wichtig, dass ein Schüler nicht einfach eingeweiht wird, sobald er dem Einweihenden das Geld auf den Tisch legt, sondern wirklich Erfahrung sammelt und vor allem gut geschult wird. Ansonsten würde die Macht der Symbole sich langsam verflüchtigen. Für diejenigen, die Emil Stejnars Bücher kennen: Er beschreibt ähnliches zum Thema Pentagrammritual…

 

Reiki ist für mich folglich völlig unpersönlich und kann genauso zum Schaden wie zum Guten eingesetzt werden: Reiki IST einfach. Genauso wie das „Gute“ subjektive Ansichtssache ist, so energetisiert Reiki einfach *alles* gleichermaßen und nicht nur „das Gute“. Genau da ist für mich die Crux – „positiv“ ist nun mal sehr dehnbar. Die Oma, die dafür betet, dass ihre Enkelin doch „diesen furchbaren Typen“ loswerden möge, hat vielleicht positives im Sinn, zerstört damit aber (wenn man so will) schwarzmagisch die Beziehung zweier Menschen. Man sollte sich m.E. also sehr genau bewusst machen, was genau man mit einem magischen Akt (und nichts anderes ist Reiki) bezweckt, will man dessen volles Potential entfalten. So kann Reiki potentiell auch einen „bösen“ Virus energetisieren, wenn der unreflektierte Heiler einfach mal Energie fließen lässt, ohne Kenntnis der Anatomie und Krankheit und ohne eine klare Visualisation des Ziels seiner Arbeit.

In meinen Einweihungen hat man mir ebenfalls gesagt, dass die Reiki-Energie oder das „Chi“ die Arbeit schon macht. Abgesehen davon, dass da sogar jeder Kampfsportler nur den Kopf drüber schüttelt, zeigte mir etwas Selbstreflektion bei der Arbeit mit Reiki sehr schnell, dass das nicht oder nur sehr bedingt funktioniert. Das Experiment selbst ist somit mein Lehrer gewesen. Aber klar – für den Anfänger reicht auch die reine Energetisierung erst einmal aus, denn auch das ist ja schon eine machtvolle Technik, nur halt m.E. halt nicht der Weisheit letzter Schluss. Und da ich mit meinem Blog v.a. experimentierfreudige praktizierende Magier anspreche, hoffe ich dass da einige dabei sind, die über die normale Reiki-Lehre hinausgehen möchten. Ich Freue mich also über jeden, der meine Annahmen testen möchte…

Die Magie der Wasserimprägnierung

Im Rahmen der Körper-Schulung der Stufe 1 in Franz Bardons erstem Buch „Der Weg zum wahren Adepten“ schreibt Bardon über das Geheimnis der Eucharistie, die sogenannte „Magie des Wassers“, bzw. Wasserimprägnierung. Scheinbar stellt insbesondere dieser Abschnitt viele Schüler immer wieder vor Fragen und Herausforderungen. Vor allem der Unterschied in den Begriffen und Techniken von Imprägnierung und Magnetisierung wird vielen nicht klar, weshalb Bardons Warnung in diesem Zusammenhang oftmals auch ungehört zu verhallen scheint.

 

Einfach gesagt bezieht sich Imprägnierung auf die Arbeit mit einer Qualität und Magnetisierung auf die Arbeit mit einer Quantität.

D.h., dass der Schüler einen Gegenstand, den er *imprägniert* mit einer Qualität, also einer Eigenschaft versieht, z.B. mit „Mut“. Mut alleine verfügt jedoch über keine Quantität, keine Energie oder Ausstrahlung. Wenn ein Magier einen Mut-Talisman herstellen möchte und den stofflichen Träger, z.B. eine Metallplatte, auf die er beispielsweise das Wort MUT gravierte, mit der Qualität „Mut“ imprägniert, muss der so imprägnierte Talisman zwangsläufig wirkungslos bleiben, da die Quantität fehlt, der Qualität also keine Möglichkeit zur Verfügung gestellt wurde, nach außen zu strahlen und die Qualität dementsprechend zu manifestieren. Um die Imprägnierung durchzuführen stehen dem Schüler verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Für den Anfänger empfiehlt Bardon die oftmalige Wiederholung des Gedankens, den der Schüler verwirklicht haben möchte in den Träger zu imprägnieren. D.h. über Tage hinweg z.B. „Mut“ in das Wasser oder den Talisman zu imprägnieren. Je weiter das Training jedoch fortschreitet, umso weniger Wiederholungen wird der Magier benötigen, da er seinen Willen zielgenauer in den stofflichen Träger einprägen kann. Endlich benötigt er oftmals nur eine Imprägnierung des stofflichen Trägers mit „Mut“, um eine Imprägnierung effektiv vorzunehmen.

 

Um hingegen eine Qualität zielgenau zu manifestieren benötigt der Magier eben die *Magnetisierung*, mit welcher er einen Gegenstand energetisiert, ihm also eine Strahlung verleiht. In der Verbindung mit einer dynamischen Energetisierung wird einer imprägnierten Qualität die Möglichkeit gegeben, in das Außen zu wirken. Der besagte Mut-Talisman würde infolgedessen nicht nur über einen stofflichen Träger seiner Mut-Qualität verfügen, sondern auch über eine astrale Quantität, eine Aus-Strahlung der mentalen Imprägnierung. Hingegen wirkt eine projizierte Energie ohne qualitative Ausrichtung, also ohne ein vorher bestimmtes Ziel auch völlig richtungslos. Das freie Fließen-lassen von Energie passiert zum Beispiel sehr oft bei der in esoterischen Kreisen populären Reiki-Heilung. Viele Reiki-Heiler lassen Energie in den Patienten strömen (in Bardons Terminologie: „Magnetisieren“ sie also) mit der ziemlich spekulativen Idee, dass die „göttliche“ Energie ihren Weg schon irgendwie finden würde. Eventuelle Heilerfolge sind jedoch in erster Linie auf die Verstärkung der körpereigenen Abwehrkräfte zurückzuführen, die einen Schub bekommen. Das kann jedoch auch nach hinten los gehen, da durch die ziellose Verstärkung aller im Patienten wirkenden Energien auch die Krankheit einen Energieschub bekommt. Es fehlt bei diesem Vorgehen folglich ganz klar an einer zielgerichteten Imprägnierung der Reiki-Energie, was genau sie zu tun und zu lassen hat. Um diese Heilenergie also wirklich zielgerichtet mit einer heilenden Qualität zu imprägnieren, benötigt der Heiler an sich wiederum eine solide Ausbildung sowohl in magischen Techniken wie der Visualisation, als auch in menschlicher Anatomie – ein Themenfeld, das ich in diesem Blog nicht weiter ausführen möchte.

 

Analoge Bezeichnungen für die beschriebenen Phänomene wären „Kraft“ und „Macht“, wobei sich Kraft auf „Quantität“, also den Vorgang der Magnetisierung und Macht auf „Qualität“, den Vorgang der Imprägnierung bezieht.

 

Im Falle von Bardons Körperschulung der Stufe 1 geht es um die Imprägnierung von Wasser; es lässt sich aber natürlich auch auf andere Bereiche übertragen. Die Wasserimprägnierung benötigt wiederum keine Magnetisierung, da das Wasser über eine eigene Energie verfügt und zudem (z.B. durch Trinken oder Waschen) in direkten Kontakt mit der Zielperson (zumeist dem Magier) kommt. So kann die Imprägnierung in Kombination mit der im Wasser sowieso schon vorhandenen Energie zur Wirkung kommen. Grundsätzlich kann jeder stoffliche Gegenstand imprägniert werden, also Metalle, Kristalle, Luft und natürlich jede Form von Wasser, Tee, Kaffee, etc. – unabhängig von Beschaffenheit und Temperatur, da es sich dabei um einen mentalen Vorgang handelt.

Rawn Clark spricht sogar von einer Imprägnierung des Akasha, was ich auf dieser Stufe der Einweihung jedoch für viele Schüler für zu hoch gegriffen halte. Er bezieht sich dabei auf die Setzung einer Ursache, welche durch die Imprägnierung erreicht wird – in unserem Beispiel, dass der Mut des Schülers verstärkt werde. Ob dann aber tatsächlich das Akasha erreicht wird, oder „nur“ eine der Autosuggestion ähnliche Verstärkung der Aufmerksamkeit durch die Betrachtung und/oder Nutzung des Gegenstandes erreicht wird, hängt ganz von der Reife des Schülers ab – Hauptsache es funktioniert!

Sobald man jedoch einen Gegenstand nicht nur imprägnieren, sondern zudem magnetisieren möchte, kommt es auf dessen Aufnahmefähigkeit an, welche Franz Bardon immer wieder als „Leitfähigkeit“ bezeichnet – man vergleiche dazu auch sein Kapitel über „Fluidische Kondensatoren“ (Körper-Schulung Stufe 8). Darin macht er deutlich, dass es Materialien gibt, die sich eher für Magnetisierungen eignen als andere. In Bezug auf diese Leitfähigkeit ist kaltes Wasser in der Tat aufnahmefähiger für Energien jeder Art als warmes Wasser.

 

D.h. also, dass ein heißer Kaffee durchaus mit „Wach-Sein“ imprägniert werden kann und auch wirkt, sofern man ihn dann trinkt; ihn also in das eigene System einführt. Er kann aber nicht oder nur schwer noch zusätzlich mit Lebenskraft geladen werden. D.h. auch, sollte der Magier den Kaffee nicht trinken, wird selbiger auch keine Wirkung entfalten. Eine Schüssel kalten Wassers, die stark magnetisiert wurde, wirkt hingegen schon durch ihre Gegenwart. Die Vorgänge des „Weihwassers“ oder auch der Taufe lassen sich damit vom magischen Standpunkt aus leicht verstehen. Ebenso muss ein Kristall, der sowohl mit einer Eigenschaft, als auch mit einer Energie geladen wurde daher nicht gegessen werden, sondern wird schon durch seine Präsenz wirken.

 

Diese Vorgänge weiter auszuführen, geht nun schon in die Geheimnisse der Talismanologie, die aber für eine spätere Stufe (und einen anderen Artikel) reserviert sind…

Hobby Hermetik?

In dem kleinen Büchlein „Dr. Lumir Bardon / Dr. M.K. – Erinnerungen an Franz Bardon“ (Rüggeberg-Verlag) schreibt der Meister-Schüler von Franz Bardon, Dr. M.K. (Milan Kumar), in seinem Aufsatz „Anmerkungen zur Hermetik“ (S. 31):

 

„Hermetik ist ein Hobby. Es dient dazu, vollkommener zu werden. Nicht mehr und nicht weniger. Da es ein Hobby ist, also keine Pflicht oder Notwendigkeit, sollte man sich auch an der Beschäftigung mit dem Hobby freuen, wenn möglich richtig Spaß daran haben. Wer sein Hobby liebt, wird ihm jede freie Minute opfern, wird sich soviel Zeit wie möglich reservieren, um sich damit zu befassen. Zur Hermetik ist allerdings unheimlich viel Geduld nötig, die aber mit Begeisterung und Neugierde für die Übungen verwirklicht werden muss, wobei man nie den Mut verlieren sollte.“

 

Der erste Satz, die Aussage, dass Hermetik ein „Hobby“ sei, führt immer wieder zu Missverständnissen unter den jungen Schülern auf dem Weg zum wahren Adepten. Um aber zu verstehen, was Dr. M.K. mit seiner Feststellung meint, ist es notwendig, sich diesen Satz in seinem Zusammenhang anzuschauen.

 

(Vorneweg sei hier noch erwähnt, dass m.E. schon diese kurze Passage deutlich den Praktiker sprechen lässt, der den Weg wirklich gegangen ist.)

Die Kritik, die oftmals erscheint bezieht sich darauf, dass die spirituelle Suche nach Vollkommenheit doch etwas anderes sei, als ein gewöhnliches Hobby, wie ein schöner Wagen, Golf zu spielen oder ähnliche Freizeitaktivitäten. Das stimmt!

Dr. Kumar´s Kernaussage bezieht sich aber nicht auf die „spirituelle Bedeutung“ der hermetischen Übungen, sondern auf den *Spaß*, den der Schüler haben soll; weswegen er auch die Hermetik mit einem Hobby vergleicht – ein Hobby ist immer etwas, was einem Menschen Spaß macht, an dem er eine tiefere innere Freude verspürt – eine Tätigkeit also dem er seine Zeit *gerne* widmet, dem er mit Freuden jede freie Minute zuwendet. Die innere Einstellung des Schülers zu seiner eigenen Vervollkommnung ist das Thema, auf das Dr. M.K. aufmerksam machen möchte. Bardons Schüler tätigt somit keine Aussage über die spirituelle Bedeutung, welche die Hermetik für den Schüler hat; in diesem Zusammenhang die Übungen mit einem Hobby zu vergleichen würde einer Profanation schon recht nahe kommen. Stattdessen überlässt er dieses Urteil jedem Einzelnen selbst. Andererseits sollte der Schüler der Hermetik MINDESTENS den Stellenwert eines Hobby zumessen –wie will er sonst jemals Erfolg haben?

Es findet sich folglich durchaus ein Zusammenhang zwischen „Hobby“ und „spiritueller Suche“, denn die Bedeutung oder den Stellenwert, den ein Hermetiker seiner eigenen magischen Praxis zuweist, hat folgerichtig sehr viel mit seiner Einstellung den Übungen gegenüber zu tun. Es geht Dr. M.K. also um die Einstellung, die ein Schüler der Hermetik seinen Übungen gegenüber mit- und aufbringen sollte. Wer morgens stöhnend aufwacht, und sich zu seinen täglichen Übungen zwingen muss; wer glaubt überhaupt üben zu MÜSSEN, vielleicht um irgendein weit entferntes magisches Ziel zu erreichen – der wird nicht weit kommen. Dr. Kumar schreibt zu Recht, dass die Selbstverbesserung etwas ist, was Freude bereiten sollte. Dann wird man auch nicht den Mut verlieren.

Jeder Schüler sollte sich daher immer wieder fragen, warum er den Weg überhaupt gehen möchte. Will er wirklich, wirklich, wirklich Magier sein? Wenn ja, warum: was sind seine Ziele? Was erhofft er sich von den Übungen, von dem Seelen-Striptease, von den stundenlangen Meditationen? Was ist sein Ziel? Was ist er bereit, für sein Ziel zu tun? Und was wird er machen, wenn er dann tatsächlich an seinem Ziel angekommen ist? Es lohnt sich diese Fragen zu stellen und sie ggf. sogar schriftlich zu beantworten.

Denn hier findet sich eines der größten Geheimnisse, um den Weg zum wahren Adepten auch erfolgreich zu beschreiten: der Weg will um des Weges willen gegangen werden! Nicht magische Macht soll das Ziel sein, denn ins besonders die vielen kleinen Effekte, die Bardon in den einzelnen Stufen beschreibt werden (aus Erfahrung) niemanden so lange motivieren, bis er sie bewerkstelligt – sondern ganz allein der tiefe Wunsch danach *besser* zu werden, sein volles Potential auszuschöpfen, trägt den Schüler auf dem Weg zum wahren Magier immer weiter. Wenn er sich an den kleinen Dingen erfreuen kann, an dem größer werdenden Bewußtsein um die eigenen Gedanken und Wünsche, an der besseren Selbstbeherrschung, an der Möglichkeit sich selbst besser im Griff zu haben, dann wird er tatsächlich soweit kommen auch Gedanken zu lesen, Hitze und Kälte zu erzeugen – und wird sich fragen: wozu? Denn bis dahin erreicht er alles, was er sich wünscht aus eigener Kraft. Daher kann auch der Titel „Der WEG zum wahren Adepten“ wirklich Aussage-kräftiger sein, als vielen bewusst ist.

So ein Schüler, der sich seiner Wünsche voll bewusst ist, wird jeden Morgen freudig aufwachen und sich voller Tatendrang in die Übung begeben. Mit Freude bewältigt er die Übungen und im Anschluß widmet er sich seinen täglichen Pflichten. Emil Stejnar nennt es analog zum Muskeltraining ein „Geistmuskel-Training“ – und wie beim Muskelaufbau im Fitness-Center stellen sich die sichtbaren Erfolge bald darauf ein. Ebenso Dr. Kumar:

 

„Ja, man kann den Weg zur Vollkommenheit in Analogie zu einem Sportler sehen, der z:b. für den Sieg im Weitsprung trainiert, sich darauf vorbereitet, seine Ernährung danach einrichtet, und sich über jeden Zentimeter freut, den es ihm gelingt, weiterzuspringen.“

 

Der Magier wird also ebenso freudig seine Prioritäten im täglichen Leben so setzen, dass ihm genug Zeit am Tag da ist, um seinen Übungen nachzugehen, denn er will ja üben. Wer sich also über seine Motivation und seinen Willen klar ist, wird nicht mehr darüber klagen, dass er keine Zeit habe oder die Übungen vernachlässigt…

Wer aber noch nach Dingen zum Angeben, Lichteffekten und ähnlichem strebt, der ist im Fitness-Studio oder im Kino wahrlich besser aufgehoben, als bei der Hermetik.

 

„Nun, darum ist es eben ein Hobby, um die Zeit sinnvoller zu verbringen, anstatt ohne Ende auf einen Fernsehapparat zu starren und alle Gewohnheiten dem Programm unterzuordnen“.

Der Adept in der Hermetik – erste Gedanken

Das Thema „Adeptschaft“ wird immer wieder in hermetisch-magischen Kreisen leidenschaftlich diskutiert. Doch scheint keiner der Teilnehmer so recht zu wissen, was das genau bedeuten soll – stattdessen ranken sich die wildesten Gerüchte darum, was ein „Adept“ nun können, machen oder wie er in der Öffentlichekeit erscheinen sollte. Gerade in der Gemeinde derjenigen, die ihre hermetische Entwicklung nach Bardons Lehrsystem praktizieren, haben sich so manche wilden Ansichten über den „Adepten“ breit gemacht. Zumeist beruhen diese auf romantischen Magier-Ideen, die entweder einem Fantasyroman entsprungen zu sein scheinen, oder direkt aus den scheinheiligsten Höhen theosophischer Verbrämung entstammen. Daher führen diese, aus den eigenen unreifen Ideen geborenen Bilder leider immer wieder zu einem Personenkult und somit weg von der eigenen Entwicklung.

 

Dabei gibt es in der immerhin fast 5000-jährigen Geschichte der Hermetik klare Definitionen dessen, was Adeptschaft bedeutet. Vor allem in der Neuzeit: so war im Rosenkreutzertum der Frühen Neuzeit ein Adept jemand, der den „Stein der Weisen“ hergestellt und somit Zugriff zu als „göttlich“ verstandenen Kräften erworben hatte – bildlich ausgedrückt durch die Fähigkeit, Blei in Gold zu verwandeln und unsterblich zu werden – schlussendlich die Verwandlung von Blei in Gold auf körperlicher Ebene. Im „Hermetic Order of the Golden Dawn“ war ein Adept jemand, der kabbalistisch gesehen über den Pfad des Hohepriesters wandelte, den ersten Schleier Paroketh durchdringen konnte und im Sonnenbewusstsein (Tiphareth) stand.

In meinem Schulungssystem von Franz Bardon „Der Weg zum wahren Adepten“, gilt als der Adept schlussendlich derjenige, der sich durch die systematische Schulung seiner körperlichen, seelischen und geistigen Fähigkeiten einen so hohen Grad an Bewusstheit erarbeitet hat, dass er den Kontakt zu seinem eigenen göttlichen SELBST herstellen kann. Der Magier muss dabei nicht äußere Riten erfüllen, nicht durch sogenannte Initiationen fremde Symbole in seinem Unterbewussten verankert bekommen; stattdessen erarbeitet er sich durch stetige Selbst-Erkenntnis immer höhere Bewusstseinszustände. Über die Erkenntnis der eigenen Gedanken und Eigenschaften, beginnt er seine latent vorhandenen Fähigkeiten gezielt zu schulen und zu energetisieren. Durch die wachsende Macht über sich, seinen Geist und seine Seele entwickelt der Magier eine zunehmende Unabhängigkeit von externen Einflüssen. Je unabhängiger er wird, umso mehr vermag er seinen Willen auch auf seine Umgebung zu projizieren. Auch die Reichweite seiner Sinne vergrößert sich, so dass die Sphären für ihn erreichbar werden. Alles ohne „Initiation“ durch externe Magier. Den Weg zur Adeptschaft muss jeder für sich beschreiten, eine Gruppe kann immer nur Wegbegleiter sein und niemals Wegbereiter. Schlussendlich erweitert der Bardonist sein Bewusstsein so sehr, dass er Kontakt zur Gottheit aufnehmen kann, seinem eigenen göttlichen Anteil gegenüber steht. Dann ist er Adept geworden und die Sphären stehen ihm offen. Sein Wort kann Schöpfung werden: „Wie oben, so unten!“

 

In allen Traditionen hat Adeptschaft folglich etwas mit der innere Entwicklung des Magiers zu tun.

 

Leider werden diese grundsätzlichen Erkenntniszeichen der inneren Entwicklung zu oft überschattet von dem Bedürfnis vieler Schüler nach der Aneignung von magischen Kräften oder der Forderung an den Adepten, die selbigen zu beweisen, sich also zu legitimieren. Dabei geht der Schüler zumeist von seinen eigenen Erwartungen aus und weniger von dem, was die Magie ihm wirklich zu geben vermag. Echte Wunder werden dabei noch abgetan, so sie nicht in die Vorstellungswelt des Schülers passen – eine Entwicklung im Verhältnis zwischen Meister und Schüler die v.a. durch die Theosophie unter Blavatsky hervorgerufen wurde, deren „Adepten“ als mythische Wesenheiten im Himalaya präsentiert wurden. Diese Einstellung findet sich gerne auch bei modernen Guru-Suchern wieder. (Als negativstes Beispiel ist in den letzten Jahren im Bereich der Bardon-Schüler der „Hermetische Bund“ auf den Plan getreten, deren Bild von Franz Bardon sehr stark einen strafenden Gott wiederspiegelt – aber das wäre Stoff für einen weiteren Blogpost…) Weigert sich der vermeintliche Adept, die Wünsche seines Gegenübers zu erfüllen oder ist nicht dazu in der Lage, die willkürlichen und zumeist aus unreifen Phantasien geborenen Ansprüche seiner Gesprächspartner zu erfüllen, werden schnell Vorwürfe des Betrugs oder der Scharlatanerie laut. Wundert es noch, dass die vierte Säule des salomonischen Tempels „Schweigen“ heißt?

 

Erkenntnis ist nicht übertragbar, sondern nur zu erleben!

 

Für uns Praktiker auf dem hermetischen Weg steht der Adept in erster Linie dafür, den bewussten Kontakt zum eigenen göttlichen (oder dämonischen – nach Sokrates) Selbst herstellen zu können. Dafür ist die Kenntnis und Beherrschung der niederen Regionen vom materiellen und astralen Körper notwendig, in der Kabbalah repräsentiert durch die Sephiroth Malkuth und in Folge Yesod, Hod und Netzach. Erst wenn die Zwänge der materiellen Welt, die Triebe, Leidenschaften und vermeintliche Gedanken den Magier nicht mehr in den Griff bekommen können, wenn der Geist ruhig und frei ist, kann der Schleier durchdrungen werden. Dies geschieht durch das Sterben und Wiedergeboren werden – Christus am Kreuz, der nicht leidet, sondern schwebend die Unsterblichkeit verkündet – eine Erfahrung, die durchaus in den Alltag eingebunden werden kann. Sie tritt auf den Schüler zu, so er bereit ist… man „wird gestorben“. Das kann sich z.B. durch Schicksalsschläge, etc. offenbaren. (Nur bitte nicht danach rückwirkend suchen – für gewöhnlich wird sehr schnell klar, worum es sich handelt. Und nicht jeder Schicksalsschlag ist eine Initiation…) Daher gab und gibt es initiatorische Gemeinschaften, die dem Magier optimalerweise helfen, bewusst in einen solchen Zustand zu kommen. Diese magischen Logen führen den fortgeschrittenen Schüler durch derartige Initiationserlebnisse… Es ist das eigene Bewusstsein, das unsterblich wird und geerdet in Malkuth und zentriert in Tiphareth den Weg in die höheren Regionen der Himmel und die tiefen Abgründe der Hölle sucht. Um schließlich festzustellen – es ist alles EINS! Es ist die Position des Meisters, auch des Meisters über die eigene Individualität, über das helle und das dunkle Licht!

Wenn nach magischen Kräften gesucht wird, so wird der Schüler meist nicht lange genug durchhalten, denn diese kommen von ganz alleine, zumeist aber erst, wenn dem Schüler klargeworden ist, dass sie ultimativ unwichtig sind – denn für den Adepten passiert eh alles so, wie es sein soll!

 

Adeptschaft ist also kein weites Ziel, entfernt und erhaben in den höchsten Höhen kitschiger Wundergläubigkeit voller Aureolen und magischer Macht, sondern die natürliche Folge gezielter magischer Arbeit und konsequenter Integration in das eigene Leben! Man muss es nur TUN!

 

Viel Erfolg!

Einführung in die Alchemie (2) – Praxis

Praktische Alchemie – Eine kurze Einführung in eine einfache Möglichkeit der spagyrischen Arzneimittelherstellung im Pflanzenreich:

 

Die spagyrische Tinktur

Die spagyrische Tinktur ist in der Alchemie die einfachste Form, sich die Kräfte des Pflanzenreichs aufzuschließen. Um sie zu bereiten benötigt man nur wenige Werkzeuge. Zuerst nimmt man ein beliebiges Heilkraut und legt es – am besten in einem großen Einmachglas – in einen klaren Alkohol ein, bis sich der Alkohol nicht weiter färbt. In der alchemistischen Heilkunst nennt man diese Zeitspanne „Mazeration“. Traditionell wird dazu eine Spanne von 40 Tagen und 40 Nächten empfohlen. Der Alkohol soll traditionell aus roten Trauben hergestellt worden sein, es kann also am besten ein guter Grappa oder Weinbrand genommen werden. Die Selbstdestillation eines Weins hat in den meisten deutsch-sprachigen Ländern den Nachteil, dass dafür an sich eine Brenngenehmigung benötigt wird. Zudem dauert es sehr lange.

Nachdem die Mazeration, die Aufschließung des Stoffes durch das sogenannte „Menstruum“, das Lösungsmittel (in diesem Fall der Alkohol) beendet wurde, wird die bereits gefärbte Tinktur von dem Rückstand durch Filtration (ein, besser zwei herkömmliche Kaffeefilter sind ausreichend) getrennt. In der Flüssigkeit wurden nun durch Einwirkung des Lösungsmittels, das in diesem Fall auch den Merkur darstellt, die Farbe und das Aroma (Sulphur) vom Pflanzenkörper (Sal) getrennt. In der normalen Naturheilkunde würde nun der Rückstand verworfen werden und nur mit der Flüssigkeit weitergearbeitet werden, was nach alchemistischer Sichtweise zu einem Mangel an Körperlichkeit führen müsste. Daher nehmen wir nun unser Kraut und veraschen es auf einer Kochplatte oder einer anderen Hitzequelle („Calcination“). VORSICHT: durch das Veraschen entsteht eine extreme Rauchentwicklung und sollte nur im Freien oder unter einem sehr guten Abzug durchgeführt werden!!!

Es wird solange Hitze zugeführt, bis das Kraut erst Schwarz und anschließend grau-weiß wird. Eine echte Weißung des Rückstandes lässt sich oftmals nur in einem echten Brennofen oder Muffelofen erreichen. Den veraschten Rückstand lösen wir nun im warmen destillierten Wasser auf, welches wir anschließend abkühlen lassen. Die Asche-Wasser-Lösung wird nun wieder durch einen Kaffeefilter filtriert. Während der feste Rückstand nun wirklich ausgezogen ist und als „Caput Mortuum“ der Düngung des Gartens dienen kann, lässt man die meist leicht gelbliche Flüssigkeit anschließend bei sanfter Hitze verdunsten. Am Boden bleibt nun ein helles Pulver (Sal) zurück, dass zu unserer Tinktur hinzugegeben wird. Dies ist nun unser fertiges Produkt!

Die Tinktur kann nun noch energetisiert werden, indem man sie einer „Circulatio“ unterzieht. Dazu wird die Tinktur in eine hohes Gefäß gegossen, welches gut verschlossen und dann von unten leicht erwärmt wird. Der Alkohol wird verdunsten, im oberen Bereich des Gefäßes abkühlen und wieder runter tropfen. Wenn diese Prozedur weitere 40 Tage und Nächte durchgeführt wird, soll sie die Potenz des spagyrischen Mittels um ein vielfaches erhöhen.

 

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Die Anwendung von Pflanzenmitteln orientiert sich anhand der pharmakologischen Wirkungsweise des verwendeten Heilkrauts. Zu beachten ist, dass aufgrund der durchdringenden Wirkung nicht mehr als 10 Tropfen eingenommen werden sollten, maximal dreimal täglich. Dazu gießt man die Tropfen auf ein Stück Zucker oder verdünnt sie mit Wasser. Traditionell werden spagyrische Heilmittel mit einem Glas Wein eingenommen.

Erfahrungen, die ich selbst schon machen konnte, umfassten z.B. die spurlose Heilung von tiefen Schnitten am Rücken nach einem Sportunfall über Nacht. Ein andermal konnte ich eine grippekranke Frau über ein komplettes Campingwochenende fit halten – erst nach der Einnahme von Antibiotikum (gegen meinen Rat) war sie über eine Woche lang krank. Spagyrische Heilmittel haben also eine breite Wirkungsweise – nicht nur für körperliche Leiden, sondern auch für emotionale Störungen ode geistige Einschränkungen.

 

(Fürs Gesetz: Selbstverständlich würde ich niemals solche Mittel als Arznei bezeichnen oder sie entsprechend verordnen! Bitte ziehen sie stets einen Arzt und/oder Apotheker zu Rate, bevor sie Heilmittel jeglicher Art zu sich nehmen. Auch pflanzliche Heilmittel benötigen eine kundige Verordnung)

 

Einführung in die Alchemie (1) – Theorie

In den letzten Jahrzehnten hat sich durch die nahezu inflationäre Verwendung des Alchemie-Begriffes eine breite Literatur entwickelt, die sich vordergründig mit der Königlichen Kunst zu beschäftigen scheint. Daher macht eine Einführung im Rahmen einer gezielte Abhandlung eine ebenso kurze Abgrenzung nötig, bzw. „Was meine ich mit „Alchemie“?“Häufig wird Alchemie definiert als: „Die Kunst der Transformation!“

Nun ist eine solche Definition nicht einspitzig genug, als dass sie nicht auch für alle Bestrebungen des Menschen nach Veränderungen genutzt werden könnte, was dazu geführt hat, dass der Begriff „Alchemie“ im New Age für eine Vielzahl von philosophischen, psychologischen, spirituellen, meditativen, usw. Techniken und Denkgebäuden verwendet wurde und wird. Ein Grund für diese Diversifikation mag darin zu suchen sein, dass die moderne Wissenschaft es bis heute nicht vermocht hat, die beeindruckenden Ergebnisse spagyrischer Heilmittel in ihrem Paradigma zu erklären. Auf der anderen Seite ist es vielen theoretischen Studenten nicht einsichtig, warum die Arbeit in einem Laboratorium tiefgreifende Veränderungen im Alchemisten auslösen soll.

Dazu trägt die reichhaltige Symbolsprache in alchemistischen Bildern und Texten bei. Dabei ist die Alchemie viel mehr als ein System der Selbstveränderung, wie es z.B. Yoga oder christliche Exerzitien sind. Schon gar nicht ist Alchemie ein Prozess der Individuation, wie ihn Carl Gustav Jung in erstaunenswerter Unkenntnis der Materie beschrieben hat. Wenn ich also in diesem Artikel von „Alchemie“ spreche, dann meine ich Labor-Alchemie, wodurch jedoch nicht ausgeschlossen soll, dass durch die Praxis der Alchemie nicht auch spirituelle und/oder psychologische Effekte im Praktiker hervorgerufen werden können. Im Gegenteil sehe ich dies sogar als unabdingbar für eine echte alchemistische Praxis an. Dazu später mehr.

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Im Folgenden soll also über LABOR-Alchemie gesprochen werden. Zur besseren Abgrenzung von den vielfältigen Auslegungen des Alchemie-Begriffes hat sich als alternative Bezeichnung für Labor-Alchemie die Bezeichnung „Spagyrik“ (von griech.: spao = ich trenne) eingebürgert. Diese wurde von Theophrastus Philippus Aureoleus Bombastus von Hohenheim, auch bekannt als Paracelsus das erste Mal verwendet, um seine Herstellung von Arzneimitteln mittels alchemistischer Methoden von der wilden Suche nach Gold zu differenzieren, die im 16. Jh. so viele Laboranten umtrieb. Paracelsus war für die Alchemie von solcher Bedeutung, dass er noch heute unter vielen ihrer Praktiker geradezu sakrale Verehrung genießt.

Den Ursprung der Alchemie genau zu bestimmen ist aufgrund des nachweisbar hohen Alters dieser Wissenschaft kaum möglich. Mircea Eliade hat gezeigt, dass die Grundlagen der Alchemie sich schon in den schriftlichen und bildlichen Zeugnissen vieler Schmiedeüberlieferungen finden. Als mythologischer Stammvater der Alchemie gilt Hermes Trismegistos, eine synkretistische Gottheit, die aus der Verschmelzung von Thot, Gott der Heilkunst und Schrift mit dem griechischen Götterboten Hermes, Gott der Kommunikation hervorgegangen ist. Nach ihrem Begründer und Patron wird die auch häufig als „hermetische Kunst“ bezeichnet. Ihren ersten (historisch nachweisbaren) Höhepunkt erreichte die Hermetik im Alexandria des 3.-5. Jh. n. Chr. mit Vertretern wie Maria die Jüdin und v.a. Zosimos des Alchemisten. In diese Zeit fällt auch die Entstehung des „Corpus Hermeticum“ als Grundlagenschrift der sich daraus entwickelnden Hermetik. Diese ist in erster Linie eine philosophisch-mystische Lehrart der Selbstvereinigung mit Gott, die nur bedingt auf alchemistische Techniken zurückgreift, aber viele Parallelen mit der Kunst aufweist. Nach der Eroberung Alexandrias durch die Heere der Kalifen kam die Alchemie in den arabischen Kulturraum, in dem sie eine neue Blüte erreichte. Durch die spanischen Städte der Mauren kam sie wieder nach Europa, wo sie spätestens ab dem 15.Jh. wieder in voller Blüte stand. Einen Schwerpunkt in Mystik und Innerer Alchemie bekam sie aber erst im 17. Jh. mit den Rosenkreuzern, die die Laborarbeit nur als Parergon (griech.: “Nebenwerk”) ansahen und die Einheit mit Gott als das eigentliche “Große Werk”. Das 18. Jh. prägte als die Phase der Geschichte, die Wahrnehmung vieler Autoren als Hochphase der Alchemie, mit ihren wandernden Adepten und zahlreichen Vorführungen von Transmutationen sowie einer Vielzahl an alchemistischen Schriften. Das sind jedoch sehr späte Entwicklungen, die schon unter den Zeichen des Niedergangs und des Siegeszug der materiellen Wissenschaften standen. Ende des 18. Jh. ist die Alchemie nur mehr Gegenstand der eher als „obskur“ wahrgenommenen Forscher. Obwohl selbst geniale Wissenschaftler wie Isaac Newton sich hauptsächlich der Alchemie widmeten, geht dieser Schwerpunkt in der öffentlichen Wahrnehmung unter. Erst im 20. Jh. findet eine Renaissance statt: in Frankreich durch Fulcanelli und seinen Schüler Eugéne Canseliet; v.a. aber durch den Deutsch-Amerikaner Frater Albertus, der als Erster alchemistische Laborarbeit in frei verfügbaren Kursen jedem Interessierten lehrte. Er fasste auch viele Lehren zu einem halbwegs konsistenten Lehrgebäude zusammen. Weitere wichtige Vertreter der jüngeren Zeit sind Manfred Junius, John H. Reid III, Peter Hochmeier und Robert Bartlett.

Labor-Alchemie beruht, ähnlich wie die materiellen Wissenschaften, auf einer klaren weltanschauliche Basis, die dem Künstler Maßstäbe liefert, anhand derer er seine Ergebnisse verifizieren kann. In diesem Sinne ist die Alchemie eine ganz und gar empirische Wissenschaft, die ausschließlich die Wahrnehmungen des Alchemisten als Grundlage für ihre Aussagen akzeptiert. Der Ursprung dieses Lehrgebäudes zur Einordnung seiner Wahrnehmungen liefert im weiteren Sinne das Corpus Hermeticum sowie im engeren Sinne die sogenannte „Smaragdtafel des Hermes“. Die darin postulierte Verbindung zwischen der astralen und der materiellen Welt führte zu der Idee, dass die Prozesse, die im Labor durchgeführt werden, analog im Laboranten geschehen – UND UMGEKEHRT (hier liegt z.B. das Problem mit C.G. Jung, der an der Realität der Laborergebnisse gezweifelt hat – ein bedauerlicher und grundlegender Fehler in all seinen Überlegungen!).

Das heißt, dass derjenige, der seine Seele in Gold transformiert hat, im Außen ebenfalls Transformationen durchführen kann, wodurch häufig eine Verbindung zwischen Magie und Alchemie hergestellt wird. Umgekehrt wurde den Künstlern der Transmutation auch eine hohe spirituelle Bedeutung zugemessen. Auch fundierte astrologische Kenntnisse werden benötigt, um es dem Praktiker zu ermöglichen, seine Arbeiten an die Phasen des Universums anzupassen. Dabei gilt aber selbstverständlich „Die Sterne machen geneigt, aber sie zwingen nicht!“

Der Alchemist orientiert sich in seiner Arbeit demzufolge an transzendentalen Prinzipien. So wie sich der Mensch laut hermetischer Prinzipien aus Körper, Seele und Geist zusammensetzt, verfügt in hermetischer Sichtweise jede Kreatur, alle Schöpfung sowohl über Körper, als auch Seele und Geist. In der Fachsprache der Spagyriker sind diese aufgrund ihrer Eigenschaften als Sal, Sulphur und Mercurius bekannt. So äußert sich das Sal-Prinzip eines Dinges zumeist als kristalline Substanz, der Sulphur als feuriges, aggressives, aber auch stark aromatisches Öl, sowie der Merkur als eine stark flüchtige Flüssigkeit, die nur sehr schwer corporal darzustellen ist. Diese sog. „philosophischen Prinzipien“ machen in unterschiedlicher Zusammensetzung die individuelle Erscheinungsform jeglicher Materie aus. Ziel der Spagyrik ist es nun, diese Prinzipien aus der groben Materie zu trennen, einzeln darzustellen und zu reinigen, um sie gereinigt anschließend wieder zusammenzusetzen. Damit sollen Heilmittel hergestellt werden, die die Natur nachahmen, ohne sie zu überwältigen oder gar zu „synthetisieren“. Der Spagyriker folgt den Fußstapfen von Mutter Natur, sieht sich selber als „Erfüllungsgehilfe“ der Natur, nicht als ihr Herrscher: mit sanfter Hand überführt er die Schöpfung durch das Feuer, als der Manifestation göttlicher Schaffenskraft, in ihren vollkommenen Zustand. Daher benutzen auch moderne Hermetiker und Spagyriker wie z.B. Franz Bardon oftmals die Idee der „Vollkommenheit“ für den höchsten erreichbaren Zustand des Menschen. In der Alchemie ist das Sinnbild für diese Vollkommenheit der sogenannte „Stein der Weisen“. Die Fähigkeiten dieses Steins wurden im Laufe der Jahrhunderte immer weiter ausgeschmückt. Ursprünglich stellte er ein extrem potentes Heilmittel zur Bekämpfung aller Krankheiten und zur potentiellen Verjüngung dar. Später kam zur körperlichen Vervollkommnung noch die Vervollkommnung der Metalle durch die Transmutation hinzu. Ursprünglich waren dazu zwei unterschiedliche Substanzen nötig.

Der Möglichkeiten dieser Vervollkommnung sind viele; die meisten Spagyriker und Alchemisten unterscheiden dabei anhand der Naturreiche:

  1. Das Pflanzenreich
  2. Das Tierreich („animalische Reich“)
  3. Das Reich der Mineralien und Metalle

Die spagyrische Arbeit wird je nach Reich komplexer und gewinnt dabei auch an initiatorischer Tiefe. Manche Spagyriker, wie z.B. der Autor Daniel Hornfisher, sehen die Arbeit in den einzelnen Naturreichen als aufeinander folgende Einweihungsstufen an, nicht ohne dabei ist zu bemerken, dass „ein Könner im Pflanzenreich durchaus versierter sein kann, als ein Stümper, der mit Mineralien herumpfuscht.“ (Hornfisher 1998, S. 34)

Zur Praxis das nächste Mal mehr…